Sicher gehen


Ein Gespräch mit Arne Törber, Orthopädietechniker beim Sanitätshaus Hempel Gesundheitspartner in Berlin.

 

Herr Törber, Sie sind Spezialist für Gangbeschwerden. Welche Patienten kommen zu Ihnen?

Viele meiner Patienten leiden unter schlaffer oder spastischer Hemiparese, also einer halbseitigen Lähmung, die in unterschiedlicher Stärke auftritt. Sie hat auf der betroffenen Körperhälfte eine teilweise Lähmung eines Muskels oder einer Muskelgruppe zur Folge. Ist der Fuß betroffen, kann dieser nicht angehoben werden, knickt bei Belastung um oder steht in Spitzfußstellung mit einhergehender Vorfuß- und Außenrandbelastung. Hinzu kommt bei einigen Patienten eine fehlende Kniekontrolle, entweder in Knieüberstreckung oder aber auch in vermehrter Kniebeugung. Die Patienten fühlen sich unsicher und meiden oft längere Gehstrecken. Dazu kommen noch kräftezehrende Ausweichbewegungen die zusätzlich zu einer schnelleren Ermüdung führen – zum Beispiel müssen die betroffenen Personen bei herab hängendem Fuß die Hüfte vermehrt hochziehen oder das Bein in einem Bogen nach vorne schwingen.

Was können Sie tun?

Am Anfang steht die Anamnese. Ich kläre hierbei ab, wie die passive Beweglichkeit der betroffenen Gelenke ist und führe einen Muskelfunktionstest durch. Wichtig ist auch, was wünscht sich der Patient, welche Therapien erfolgen oder sind erfolgt, wie ist das häusliche Umfeld, gibt es Angehörige die ihn unterstützen können? All diese Aspekte sind entscheidend für das Design und die Wahl des Hilfsmittels. In einem zweiten Schritt erfolgt dann eine Ganganalyse. Die Untersuchung dauert zirka 45 Minuten und ist kostenfrei.

Ganganalyse – was heißt das genau?

In unserem Haus sind wir spezialisiert auf Patienten mit Gangbeschwerden neurologischer Ursache. Hierfür haben wir eine zehn Meter lange Gangstrecke eingerichtet, auf der wir mit zwei Kameras den Gang eines Patienten aufzeichnen und später gemeinsam mit dem Patienten analysieren. Daraus ergeben sich die Empfehlungen für eine optimale Versorgung. Die Analyse kann auf Wunsch dem Arzt oder Therapeuten über unseren Onlinekanal zur Verfügung gestellt werden.

Wie sieht die Versorgung aus?

Wie bieten unterschiedliche Versorgungen an – das richtet sich nach dem Defizit und der Zielsetzung. Angefangen von Orthesen für den Fuß, über Orthesen, die das Knie unterstützen bis hin zu Ganzbeinorthesen. Patienten, die gerade erst einen Schlaganfall erlitten haben, brauchen vielleicht flexible Orthesen, die dem Muskel nicht zu viel Arbeit abnehmen. Hierdurch wird der Therapieerfolg unterstützt. Andere brauchen eventuell mehr Sicherheit oder für die Therapie andere Hilfsmittel als im Alltag. Kein Patient ist wie der andere. Es geht immer darum, für den Einzelfall die optimale Lösung zu finden. Die empfohlene Versorgung wird dann bei der Krankenkasse beantragt und nach Bewilligung bestellt oder in unserer Werkstatt nach Maß gefertigt.

Gibt es innovative Techniken zur Behandlung von Gangbeschwerden?

Hier ist zum Beispiel der Stimulator MyGait oder das ActiGait zu nennen. Letzteres wird von einem Arzt implantiert. Hierbei handelt es sich um eine Elektrode, die um den betroffenen Nerv gelegt wird und einen kontrollierten Muskelimpuls in der Schwungphase auslöst. Somit wird der Fuß durch die eigene Muskelkraft angehoben. Wenn der Fuß wieder aufsetzt wird der Impuls unterbrochen.

Was ist das Besondere an Ihrer Arbeit?

Wir stehen in enger Verbindung zum Arzt und zum Therapeuten. Das ist ganz entscheidend, um dem Patienten bestmöglich zu unterstützen. Außerdem bieten wir in unserem Haus selbst Physiotherapie und Ergotherapie an – auch das sichert patientenorientierte Lösungen. Es ist schön zu sehen, wenn unsere Lösungen den Patientenhelfen, eigene Ziele zu erreichen und Wünsche umzusetzen.

Was empfehlen Sie Betroffenen?

Wichtig ist die Zusammenarbeit mit spezialisierten Therapeuten und Ärzten. Auch Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige sind hilfreich. Auf Anfrage helfe ich hier gerne weiter.

Wie können Interessierte Sie erreichen?

Informationen finden sich auf unsere Website unter www.hempel-berlin.de. Per Mail kann man mit mir unter neuro@hempel-berlin.de und telefonisch unter 030 / 49 76 94 291 Kontakt aufnehmen.

Viel Erfolg für Ihre weitere Arbeit und herzlichen Dank für das Gespräch.

Interview und Text: Gabriele Brähler, brähler communications, Berlin


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